Zum Hauptinhalt springen

Hotel-Upselling: Ein Praxisleitfaden für Hotelmanager

Warum Hotel-Upselling wichtiger ist, als Sie denken

Die meisten Hotelmanager konzentrieren sich auf Auslastung und ADR. Doch es gibt einen dritten Hebel, der häufig den höchsten zusätzlichen Ertrag bringt: Upselling.

Upselling – also Gästen während der Buchung oder ihres Aufenthalts ein Upgrade oder ein erweitertes Erlebnis anzubieten – erhöht den Umsatz pro verfügbarem Zimmer (RevPAR), ohne dass Kosten für die Gewinnung eines neuen Gastes entstehen. Ein Zimmer-Upgrade, ein später Check-out oder ein zusätzliches Frühstück verursacht nahezu keine variablen Kosten, kann aber pro Transaktion $20–$80 zusätzlichen Umsatz einbringen.

Bei einem Hotel mit 100 Zimmern und 80% Auslastung generiert eine Upselling-Quote von 15% bei einem Durchschnittswert von $35 zusätzliche $420 pro Tag – rund $153,300 pro Jahr. Dieser Umsatz fließt direkt in das Betriebsergebnis.

Der Upselling-Funnel: An welchen Punkten Sie ansetzen sollten

Zu drei bestimmten Zeitpunkten ihrer Customer Journey sind Gäste besonders empfänglich für Upselling-Angebote:

1. Vor der Anreise (Buchung → Check-in)

In diesem Zeitfenster ist die Conversion am höchsten. Der Gast hat sich bereits für den Aufenthalt entschieden, ist bereit, Geld auszugeben, und überlegt, wie er seine Reise noch angenehmer gestalten kann.

Was funktioniert:

  • Zimmer-Upgrades. Bieten Sie eine Suite oder eine höherwertige Zimmerkategorie zu einem Preis unterhalb des regulären Tagespreises an. Präsentieren Sie das Angebot als exklusiv verfügbare Option, nicht als Standardangebot.
  • Früher Check-in / später Check-out. Diese Leistungen verursachen für das Hotel nahezu keine zusätzlichen Kosten (das Zimmer wird noch nicht genutzt oder wurde bereits geräumt), haben für den Gast aber einen hohen wahrgenommenen Wert.
  • Verpflegungsangebote und Restaurantguthaben. Integrieren Sie Frühstück, Abendessen oder Resortguthaben in die Buchungsbestätigung per E-Mail.

Der Schlüssel: Versenden Sie diese Angebote 3–7 Tage vor der Anreise per E-Mail oder SMS. Der Gast plant gerade seine Reise und ist mental darauf eingestellt, Geld auszugeben.

2. Beim Check-in

Der Kontakt an der Rezeption ist ein natürlicher Zeitpunkt für Upselling. Der Gast ist vor Ort, checkt ein und muss häufig ohnehin kurz warten.

Was funktioniert:

  • Das Upgrade-Angebot. "Wir haben für heute Abend noch eine Ecksuite für nur $45 Aufpreis verfügbar – darf ich Ihnen diese Option anbieten?" Das funktioniert, weil das Angebot persönlich und unmittelbar ist und der Gast sich innerhalb weniger Sekunden entscheiden kann.
  • Erlebnispakete. Spa-Zugang, Flughafentransfers oder Pakete mit lokalen Touren, die an der Rezeption angeboten werden.
  • Willkommensaufmerksamkeiten. Eine Flasche Wein, Pralinen oder eine Obstplatte als "optionales Extra" gegen einen kleinen Aufpreis.

Der Schlüssel: Schulen Sie Ihre Rezeptionsmitarbeiter darin, Angebote zu machen, ohne Druck auszuüben. Ein selbstbewusster, hilfreicher Ton überzeugt. Ein aufdringlicher Verkaufston verhindert den Abschluss.

3. Während des Aufenthalts

Sobald der Gast angekommen ist und sich eingerichtet hat, ist er entspannter und offener für zusätzliche Erlebnisse.

Was funktioniert:

  • Gastronomie. "Das Degustationsmenü unseres Küchenchefs kostet heute Abend $65 pro Person – darf ich einen Tisch für Sie reservieren?"
  • Spa und Wellness. Kombinieren Sie Anwendungen und Zimmerservice zu einem Paketpreis.
  • Zusätzliche Aktivitäten. Geführte Touren, Golfrunden, Wassersport – alles, was den Aufenthalt aufwertet.

Der Schlüssel: Nutzen Sie das Gästeprofil im PMS. Hat der Gast ein Familienzimmer gebucht, bieten Sie kinderfreundliche Aktivitäten an. Handelt es sich um einen romantischen Kurzurlaub, empfehlen Sie Spa-Pakete. Personalisierung steigert die Conversion.

Der Technologie-Stack für Hotel-Upselling

Manuelles Upselling funktioniert in einzelnen Hotels. Um es über ein gesamtes Portfolio hinweg zu skalieren, ist Technologie erforderlich:

Integration von Channel Manager und PMS

Ihr Channel Manager synchronisiert die Verfügbarkeiten zwischen OTAs und Ihrer direkten Buchungsmaschine. Upselling wird jedoch in der Regel nicht darüber abgewickelt. Sie benötigen ein System zwischen Ihrem PMS und Ihren Vertriebskanälen, das Upselling-Angebote in den Buchungsprozess integriert.

Buchungsmaschine mit Upselling-Modulen

Moderne Buchungsmaschinen (einschließlich der von ChannelRUSH) können während des Reservierungsprozesses Upgrade-Optionen, Zusatzleistungen und Pakete anzeigen – noch bevor der Gast bucht. So wird der Upselling-Umsatz genau an dem Punkt erfasst, an dem die Buchungsabsicht am höchsten ist.

Automatisierte Kampagnen vor der Anreise

Durch die Buchungsbestätigung ausgelöste E-Mail- und SMS-Automatisierungen liefern personalisierte Upselling-Angebote auf Basis von Zimmertyp, Aufenthaltsdaten, Gästehistorie und saisonaler Nachfrage.

Dynamische Preisgestaltung für Upselling-Angebote

Die beste Preisgestaltung für Upselling-Angebote orientiert sich an der Nachfrage. Ein Suite-Upgrade, das in einer Nacht mit niedriger Auslastung $80 mehr kostet, kann an einem ausgebuchten Wochenende $150 kosten – und der Gast wird den Preis dennoch zahlen, weil die Alternative (keine Verfügbarkeit) schlechter ist.

Häufige Fehler beim Upselling

1. Das falsche Angebot zum falschen Zeitpunkt

Einen preisbewussten Gast, der für eine Nacht eincheckt, nach seinem Interesse an einem Spa-Paket zu fragen, ist vergebliche Mühe. Stimmen Sie das Angebot auf das Gästeprofil und die Aufenthaltsdauer ab.

2. Das Angebot wie eine Gebühr wirken lassen

"Resortgebühr" löst Unmut aus. "Optionales Upgrade" regt zum Nachdenken an. Die Wortwahl ist entscheidend. Präsentieren Sie Upselling-Angebote immer als optionale Verbesserungen und niemals als verpflichtende Zusatzleistungen.

3. Anreize für Mitarbeiter außer Acht lassen

Mitarbeiter an der Rezeption und im Concierge-Service betreiben kein Upselling, wenn ihnen die Motivation fehlt. Eine einfache Provision – selbst $5 pro erfolgreichem Upselling – verändert das Verhalten. Erfassen und belohnen Sie die Ergebnisse.

4. Ergebnisse nicht messen

Wenn Sie die Upselling-Quote, den durchschnittlichen Upselling-Wert und den Umsatz pro Upselling nicht erfassen, agieren Sie im Blindflug. Legen Sie Ausgangswerte fest, testen Sie Angebote und optimieren Sie fortlaufend.

Ihr Upselling-Programm aufbauen: Ein 30-Tage-Plan

Woche 1: Analyse. Wie hoch ist Ihre aktuelle Upselling-Quote? Welche Angebote gibt es heute bereits? Welche Funktionen unterstützt Ihr PMS?

Woche 2: Konzeption. Wählen Sie 3 Angebote aus (eines pro Funnel-Phase: vor der Anreise, beim Check-in und während des Aufenthalts). Legen Sie die Preise fest. Formulieren Sie die Angebotstexte.

Woche 3: Konfiguration. Richten Sie die Angebote in Ihrer Buchungsmaschine, Ihrem E-Mail-System und den Gesprächsleitfäden für die Rezeption ein. Schulen Sie Ihre Mitarbeiter.

Woche 4: Einführung und Messung. Schalten Sie die Angebote live. Erfassen Sie die Upselling-Quoten täglich. Bauen Sie erfolgreiche Maßnahmen aus. Stellen Sie ein, was nicht funktioniert.

Das Fazit

Beim Hotel-Upselling geht es nicht darum, Gästen mehr Geld abzunehmen. Es geht darum, echten Mehrwert anzubieten – ein besseres Zimmer, ein besseres Erlebnis, einen komfortableren Aufenthalt – zu einem Preis, den der Gast als angemessen empfindet. Richtig umgesetzt profitieren beide Seiten: Der Gast reist zufriedener ab und das Hotel erzielt mehr Umsatz pro Zimmer, ohne mehr für die Gästegewinnung auszugeben.

Erfolgreiche Betreiber behandeln Upselling als System, nicht als einzelne Taktik. Sie testen Angebote, messen Ergebnisse und skalieren erfolgreiche Maßnahmen über jedes Hotel in ihrem Portfolio hinweg.